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Börsenausblick Insights | zurück

Aktueller Börsenausblick

10. Januar 2023

«Gebremste Inflationsdynamik»

 

Was die Märkte bewegt

Die letzten Wochen standen weiterhin ganz im Zeichen der Politik der Notenbanken. Wann werden die Zinsen nicht mehr weiter angehoben und wann ist mit Zinssenkungen zu rechnen? Wie lange werden die Notenbanken mit hohen Zinsen die Teuerung noch bekämpfen? Das sind derzeit die brennendsten Fragen an den Finanzmärkten. Dazu lohnt sich ein Blick auf die jüngsten Inflationsdaten: Sowohl im Euroraum, als auch in den USA und der Schweiz gab es diesbezüglich kürzlich positive Nachrichten: Gewisse Teuerungsindikatoren sind gefallen. Allerdings zeigen sich die Arbeitsmärkte weiterhin sehr robust und es ist in vielen Bereichen mit weiter steigenden Löhnen zu rechnen. Dies verteuert insbesondere Dienstleistungen.

Wie haben die Märkte reagiert?

Die Investoren hängen förmlich an den Lippen der Notenbanker und jedes Statement führt sofort zu entsprechenden Ausschlägen an den Börsen. Gleiches gilt für die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten und so herrschte viel «Nervosität» an den Märkten.

Wie weiter?

Die Inflation dürfte noch einige Zeit von den Zielwerten der Notenbanken entfernt sein. Hier wird es allerdings interessant sein zu sehen, wie die Notenbanken damit umgehen: Halten sie wirklich an den tiefen Zielwerten fest oder zeigen sie sich flexibel? Letzteres scheint aktuell wahrscheinlicher, denn die Notenbanken stehen alle auch unter grossem politischen Druck. Den Vorwurf, eine starke Rezession durch eine zu restriktive Politik quasi herbeigeführt zu haben, will sich dann wohl doch kein Notenbanker gefallen lassen.
Ein positiver Impuls könnte zudem in Kürze aus China kommen: Sobald die Pandemie überwunden ist, sind die Chancen gut, dass der Konsum wieder an Fahrt gewinnt und möglicherweise werden noch staatliche Stimulus-Programme dazukommen. China macht immerhin rund 20 % der Weltwirtschaft aus.

Der Ausblick für die Aktienmärkte ist dementsprechend nicht so schlecht. Natürlich, der Krieg in der Ukraine kann durchaus noch einmal schlimmer werden und wer weiss, was zwischen China, Taiwan und den USA alles schief gehen kann. Doch diese Konflikte sind kein Geheimnis mehr. Was aber, wenn der Krieg beendet werden kann? Was, wenn China in Sachen Taiwan versöhnliche Töne anschlägt? Mit der Abkehr von der Zero-Covid-Politik hat das Land bereits einen grossen, pragmatischen Schritt nach vorne gemacht. Auch die Inflation zeigt wie erwähnt wieder in die richtige Richtung. Zudem haben sich die Bewertungen von Aktien nach der Korrektur spürbar entspannt. Es herrscht aktuell zudem ein grosser Konsens am Markt, was oft ein guter Kontraindikator ist: Erwartet wird eine Rezession in diesem Jahr und alle Welt ist pessimistisch. Viele beziehen sich dabei auf die sogenannt inversen Zinskurven, auf die in der Vergangenheit mit grosser Zuverlässigkeit Rezessionen folgten. Von inversen Zinskurven spricht man, wenn die langfristigen Zinsen tiefer liegen als die kurzfristigen Zinsen. Aber dieser Indikator ist natürlich nur ein Modell. Und Modelle versuchen, vereinfacht die komplexe Realität abzubilden. Es ist deshalb äusserst interessant, dass der «Erfinder» dieses Indikators, Professor Campbell Harvey erwartet, dass es diesmal anders kommt: Er sieht unter anderem die robuste Entwicklung an den Arbeitsmärkten als Grund dafür und erwartet in den USA keine Rezession.

Die Wende bei der Inflation, den Zinssätzen und beim Wirtschaftswachstum wird kommen und den Anlegern wieder attraktive Renditen bringen. Wann genau das ist, weiss niemand. Aber es spricht immer mehr dafür, dass wir von diesen Wendepunkten nicht mehr allzuweit entfernt sind. Und die Börsen nehmen zukünftige Entwicklungen bekannterweise vorweg.

Wie wir uns positionieren

Unserer tendenziell defensiven Ausrichtung bleiben wir für den Anfang dieses Jahres treu, aber mit der nötigen Flexibilität einer Anpassung, sobald sich die Zinssituation ändert. Aktienseitig sind wir in Sektoren wie Konsumgüter und Gesundheitswesen investiert. Solche Titel bieten auch in einem angespannten Marktumfeld Chancen. Sektoren wie Energie und Finanzen können aber auch weiterhin profitieren und sind ebenfalls in unseren Portfolios vertreten. Gold als Realwert bildet zudem eine stabile Komponente. Im festverzinslichen Bereich investieren wir ausschliesslich in hochwertige Anleihen. Was die Währungen betrifft, so setzen wir auf den Schweizerfranken und den US-Dollar. Der sogenannte «Greenback» dient dabei auch zu einem gewissen Grad als Hedge im Falle einer negativen Marktentwicklung.

Point Capital Group
10. Januar 2023