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Im Fokus | zurück

Kein Hin und Her wegen dem Auf und Ab an den Börsen

Liebe Leserin, lieber Leser

Fühlen Sie sich unwohl im aktuellen Marktumfeld? Ich verstehe Sie ganz gut. Die Welt ist aus den Fugen, die Inflation läuft aus dem Ruder, Putin wütet in der Ukraine und die US-Notenbank ist drauf und daran, einen harten Zinserhöhungszyklus durchzuziehen. Von China ganz zu schweigen. Nachdem das Land in der ersten Corona-Welle so souverän gewirkt hat, hat es sich nun in einen permanenten Lockdown manövriert. Zum Glück habe ich das neue iPhone rechtzeitig bestellt.

Die geballte Ladung an negativen Nachrichten ist natürlich denkbar schlecht für die Konjunktur und am besten verkauft man subito alle seine Aktien. Das sagt zumindest Gonzo_8953 auf Twitter. Und der muss es ja wissen, immerhin hat er 17 Follower.

Aber im Ernst: Mittlerweile sind die Warnungen vor einem Crash ziemlich laut geworden. Bearish zu sein, gehört inzwischen zum guten Ton: Jetzt schauen wieder all diese adrett frisierten Bankstrategen mit besorgtem Gesicht in die Kameras und erklären mit sonorer Stimme, sie erwarten weiterhin volatile Märkte und man soll vorsichtig agieren. Was für eine Erkenntnis – die Märkte schwanken! Und für diese Weisheiten werden die auch noch fürstlich bezahlt. Warum aber warnen die Experten erst jetzt, nachdem die Kurse schon gefallen sind?

Mark Stock Keepcalm

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte gar nichts schönreden. Das Umfeld ist ziemlich garstig geworden und auch ich finde die Korrektur nur bedingt erfreulich. Doch das gehört einfach zum Investieren. Nach Jahren des kontinuierlichen Aufwärtstrends, in denen jedermann und sein Hund (und sogar mein Schwager) an den Aktienmärkten Geld verdienen konnte, wird es nun halt wieder etwas schwieriger, Rendite zu erzielen.
Aktien, die in der Euphorie in die Höhe gejubelt wurden, haben brutal korrigiert. Das «disruptive» Velounternehmen Peloton (-90 % vom Rekordhoch), der Videokonferenzanbieter Zoom (-82 %), die Kinokette AMC (-76 %) und viele andere Zockeraktien sind so schnell wie sie in die Höhe geschossen sind wieder nach unten gerauscht und haben ein grosses Loch in die Portfolios vieler Anleger gerissen. Aber Sie und ich wissen, dass diese Titel nichts für seriöse, langfristige Investoren sind. Auch nach der Korrektur nicht.

Das Gute an der gegenwärtigen Verunsicherung ist jedoch, dass sie immer mehr Schnäppchen zutage fördert. Ist es nicht toll, dass ich nun einen qualitativ hervorragenden Wachstumstitel wie Logitech zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 aufstocken kann? Oder eine Holcim, die eine steuerfreie Dividendenrendite von 4.6 % ausschüttet, zu einem KGV von 13? Wenn Mr. Market depressiv wird und mir solide Aktien zu Ausverkaufspreisen anbietet, schlage ich gerne zu.

Und was glauben Sie, sind Aktien jetzt riskanter, nachdem sie korrigiert haben oder im Höhepunkt des vergangenen Jahres? Mein Tipp deshalb: Lassen Sie sich vom Auf und Ab an den Börsen nicht zu einem hektischen Hin und Her bei ihren Aktien verleiten. Das freut bloss die Banken – und ihre adretten Strategen –, die jedes Mal mitverdienen.

In diesem Sinne: Bewahren Sie ruhig Blut und bleiben Sie Ihrer Anlagestrategie treu!

Ihr Mark Stock©

Mark Stock ist ein Mitglied der Point Capital-Redaktion. «Ich bin begeisterter Börsianer und befasse mich leidenschaftlich gerne mit Wirtschaftsgeschichte. Seit Jahren verfolge ich das Auf und Ab an den Märkten und investiere natürlich auch selber – bevorzugt in Aktien. Mein Name ist also Programm. Jeden Monat greife ich an dieser Stelle ein aus meiner Sicht spannendes Thema auf. Und da der Inhalt und nicht meine Person im Zentrum stehen soll, schreibe ich unter einem Pseudonym.»